
Glattwalzen – Feinwalzen – Rollieren


Was ist Glattwalzen ?
Glattwalzen ist eine spanlose Oberflächenfeinbearbeitung von metallischen Werkstücken zur Verbesserung der Oberfächengüte. Zur Erzeugung von geometrischen Formen werden bei der Metallbearbeitung spanende Fertigungsmethoden eingesetzt. Je nach geforderter Maßgenauigkeit und Oberflächengüte wird das entsprechende Verfahren wie z. B. Bohren, Drehen, Feindrehen, Reiben, Schleifen, Honen, Schwingschleifen oder Läppschleifen ausgewählt. Bei steigender Qualitätsforderung ergibt sich zwangsläufig eine Aneinanderreihung von mehreren Verfahren, wobei die Herstellungskosten progressiv wachsen, je kleiner die vorgeschriebene Oberflächenrauhigkeit ist.
Das Glattwalzen – eine spanlose Feinstbearbeitungsmethode – benötigt zwar eine spanende Vorbearbeitung zur Erzeugung der Form und des Maßes, ersetzt jedoch dafür die aufwendigen spanenden Feinbearbeitungsoperationen. Je nach Einsatzfall wird durch den einen Arbeitsgang „Glattwalzen“ das aufwendige Feindrehen oder zwei Schleif- und eine Läppoperation eingespart. Die Einordnung des Glattwalzens In die Bearbeitungsfolge geschieht also direkt nach der Vorbearbeitung, mit der die gewünschte Form und das Maß erzielt werden. Das Glattwalzen steht somit anstelle von kostspieligen und zeitraubenden spanenden Feinbearbeitungsmethoden.
Oft wird das Glattwalzen auch mit Rollieren bezeichnet. Obwohl dieser Begriff phonetisch der ausgeführten Bearbeitung sehr nahe kommt, ist er nach der VDI-Richtlinie 2032 falsch. Beim Rollieren, das Heute nur noch vereinzelt zum Einsatz kommt, handelt es sich um eine spanende Bearbeitung.

Grenzen
Dem Glattwalzen sind bei unterbrochenen Flächen, asymmetrischen Konturen Grenzen gesetzt. Unterbrechungen in den Bohrungen dürfen bei Durchgangsbohrungen bis Bohrungs-Ø 26 mm und bei Sackloch- oder Stufenbohrungen bis Ø 47 mm , 10 % nicht übersteigen. Bei größeren Bohrungsdurchmessern sind Aussparungen bis maximal 20 % zulässig. Anfang und Ende des Bohrungsteils müssen planparallel sein. Bei Bohrungen mit starken Schrägen oder zu großen Aussparungen ist die Maßhaltigkeit nicht mehr gewährleistet.

Keine Maßhaltigkeit im rot markierten Bereich.
Arbeitsprinzip und Einsatzbedingungen
Ein Satz gehärteter, konischer Rollen, festgehalten in einem Käfig mit entsprechenden Längsschlitzen, läuft auf einem Kegel mit gegenläufigem Konus. Diese Anordnung ermöglicht eine Durchmesserverstellbarkeit durch axiales Verschieben des Kegels in dem die Mikrometermutter verdreht wird. Glattwalzwerkzeuge für Durchgangsbohrungen arbeiten durch Schrägstellung der Rollen im Käfig mit selbsttätigem Eigenvorschub. Beim Einsatz auf Maschinen wie Ständerbohrmaschinen, zieht sich das Werkzeug von selbst in die Bohrung. Der Rückzug des Werkzeuges kann erfolgen sobald die Rollen ca. 1/3 ihrer Länge aus der gewalzten Bohrung gefahren sind, oder die Vorschubbewegung des Werkzeuges durch den Tiefenanschlag der Maschine gestoppt wird. Glattwalzwerkzeuge für Sacklochbohrungen arbeiten mit gerade gestellten Rollen, um möglichst nahe an den Bohrungsgrund zu kommen.
Diese Werkzeuge müssen mit Zwangsvorschub eingesetzt werden. Die durch die schrägstehenden Rollen vorgegebenen Vorschubwerte können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen. Beim Einsatz mit Maschinenvorschub ist dieser 10 – 15 % höher als der Eigenvorschub des Werkzeuges zu wählen. Dies ist sehr wichtig da die Rollen sonst vom Kegel laufen und kein Druck auf die Oberfläche des Werkstückes ausgeübt wird. Bei Sacklochwerkzeugen kann man die Daten der nachfolgenden Tabelle anwenden. Die angegebenen Daten sind Richtwerte (außer Eigenvorschub) wobei Vorschub und Drehzahl um bis zu 50% erhöht werden können. Die Drehzahl hat keinen Einfluss auf die erzielte Oberfläche. Zu hohe Drehzahlen und / oder Vorschübe setzen jedoch die Standzeit des Werkzeuges herab. Für eine Zuführung von Schneidöl oder einer fetten Emulsion zum Kühlen und Schmieren des Werkzeuges sollte gesorgt sein. Einige Tropfen Schneidöl als verlorene Schmierung von Zeit zu Zeit auf die Rollen gegeben reicht in den meisten Fällen aus. Beim Einsatz von maschineneigenen Kühlschmierstoffen wird ein Filter im Schmiersystem empfohlen um kleine Späne oder Abrieb vom Glattwalzwerkzeug fern zu halten. Die zu walzende Oberfläche und das Werkzeug müssen sauber und frei von Spänen sein.





